Vertrauen und Verantwortung entstehen im Zusammenspiel
Ein Online-Dialog mit Mitarbeitenden der Mobiliar zeigt: Vertrauen wächst dort, wo Unternehmen glaubwürdig handeln, Verantwortung klar verorten – und Bürger:innen ihre eigene Rolle ernst nehmen.
Ein Team der Mobiliar diskutierte im «Wir, die Wirtschaft»-Online-Dialog über Vertrauen in und Verantwortung der Wirtschaft. Im Zentrum standen drei Fragen: Wovon hängt Vertrauen ab? Wo beginnt und endet unternehmerische Verantwortung? Und welche Verantwortung tragen Bürger:innen selbst? Deutlich wurde: Vertrauen ist keine einseitige Leistung der Wirtschaft. Es entsteht im Zusammenspiel von Unternehmen, Bevölkerung, Politik und Medien – und in der Bereitschaft, Zielkonflikte auszuhalten.
Im Kern ist Vertrauen erstaunlich konkret. Es entsteht, wenn ein Unternehmen tut, was es sagt – nicht nur in der Kommunikation, sondern im Alltag. Eine Arbeitgeberin darf nach aussen nicht versprechen, was nach innen nicht gelebt wird. Nachhaltigkeit bleibt unglaubwürdig, wenn sie nur als Zusatz erscheint, statt im Kerngeschäft verankert zu sein. Verantwortung zeigt sich dort, wo Unternehmen wirksam handeln können: bei Produkten und Dienstleistungen, Mitarbeitenden, Kund:innen, Ressourcen und Geschäftspraktiken. Dort müssen sie sich messen lassen. Vertrauen entsteht selten gegenüber «der Wirtschaft» als Ganzes, sondern über konkrete Erfahrungen: wenn im Schadenfall ein Versprechen eingelöst wird, Entscheidungen transparent erklärt werden oder Mitarbeitende erleben, dass Werte gelebt werden. Es kippt, wenn Vorschuss in Enttäuschung umschlägt – etwa bei intransparenten Entscheidungen.
Die Verantwortung der Wirtschaft ist gross, aber nicht grenzenlos. Unternehmen können nicht jedes gesellschaftliche Problem lösen, jede politische Lücke füllen oder jedes Risiko aus dem Leben nehmen. Gerade deshalb braucht es Klarheit darüber, wo Verantwortung beginnt – und wo sie überdehnt wird. Auch wirtschaftlicher Erfolg gehört dazu. Unternehmen müssen Geld verdienen. Das ist kein Makel, sondern Voraussetzung dafür, dass sie Arbeitsplätze schaffen, Steuern zahlen, investieren, ausbilden und gesellschaftliche Beiträge leisten können.
Unternehmen sollen transparenter, glaubwürdiger und verantwortungsvoller handeln. Das ist berechtigt. Aber Vertrauen ist kein Produkt, das Unternehmen liefern und die Gesellschaft konsumiert. Vertrauen ist ein Verhältnis – und Verhältnisse verlangen Gegenseitigkeit. Bürger:innen tragen Verantwortung als Konsument:innen, Stimmbürger:innen, Arbeitnehmende und Anleger:innen. Wer nachhaltigere Angebote erwartet, aber nur nach dem tiefsten Preis entscheidet, delegiert Verantwortung. Wer einfache politische Antworten verlangt, aber wirtschaftliche Nebenfolgen ausblendet, verkürzt die Wirklichkeit.
Ein zentraler Hebel ist Erwartungsmanagement. Unternehmen müssen klarer sagen, was sie leisten können, wofür sie einstehen, wo sie Einfluss haben – und wo nicht. Das ist keine Abwehr von Verantwortung, sondern Voraussetzung dafür, dass Verantwortung fair verteilt werden kann. Denn heute wird vieles an Unternehmen herangetragen: Sie sollen profitabel sein, nachhaltig handeln, gute Arbeitgeber:innen sein, Haltung zeigen, Innovation ermöglichen und gesellschaftliche Probleme mitlösen. Diese Erwartungen sind nicht falsch. Aber sie sind nicht alle gleichzeitig und widerspruchsfrei erfüllbar. Am Ende bleibt die Kunst, Komplexität auszuhalten. Vertrauen entsteht dort, wo Unternehmen erlebbar bleiben, Bürger:innen ihre Rollen ernst nehmen und Zielkonflikte offen verhandelt werden. Nähe ist dafür eine Ressource.