Sorgengesellschaft Schweiz? Erkenntnisse studieren!
Am Dialogtag vom 13. Mai 2023 trat eine repräsentative Gruppe von 58 Schweizer Einwohner:innen aus allen Sprachregionen, Berufswegen und Altersgruppen in einen Dialog rund um die Schweizer Wirtschaft. Die Auswertung und Analyse der resultierenden Diskussionen brachte einige spannende Erkenntnisse. Gerne fassen wir sechs Highlights zusammen:
Die Befragten zeigten sich nicht feindlich gegenüber der Wirtschaft. Die Wahrnehmung der eigenen Wirtschaftslage sowie aktuelle Themen wie Klimawandel, geopolitische Unsicherheiten und demografische Entwicklungen führten jedoch zu einer gewissen Besorgnis und Skepsis, die in den Voten der Teilnehmer:innen klar ersichtlich ist.
Die Analyse zeigt den Zusammenhang zwischen Werten und verschiedenen Themen. So traten beim Thema Wirtschaft und Welt die Werte Sicherheit, Autonomie und Gerechtigkeit immer wieder in den Vordergrund. Bei Diskussionen um die Beziehung zwischen Wirtschaft und Staat waren es Fairness, Freiheit und Solidarität. Wenn Wirtschaft und Umwelt besprochen wurden, waren es Innovation, Verantwortung und Hoffnung. Werte und Themen beeinflussen sich gegenseitig: Werte leiten das Denken über ein Thema, gleichzeitig führen Diskussionen über verschiedene Themen zu einer Auseinandersetzung mit Werten.
Die Perspektive der Teilnehmer:innen auf diskutierte Themen stützte sich massgeblich auf das persönliche Arbeitsumfeld und die eigene Wahrnehmung des Arbeitsmarktes. Ersichtlich wurde dies beispielsweise, wenn der Klimawandel Konsum- oder Verhaltensänderungen nötig macht, von denen die Teilnehmer:innen dachten, dass sie sich diese nicht leisten können, oder wenn Arbeitskräfte aus dem Ausland einen Konkurrenzdruck auslösen.
Nebst den Erwartungen, dass Unternehmen umweltbewusst vorgehen, Innovationen hervorbringen, Steuern korrekt bezahlen und zeitgemässe Arbeitsbedingungen bieten, sollen sie auch einen starken Bezug zur Schweiz haben und sich gesellschaftlich engagieren. Die Teilnehmer:innen hatten den Anspruch, dass Unternehmen zum Zusammenhalt der Wirtschaft beitragen und Investitionen nicht nur aus Profitgründen, sondern als Beitrag zum Gemeinwohl getätigt werden.
Die Beteiligung am wirtschaftlichen und politischen Leben wurde als eine Bürger:innenpflicht gesehen. Relevant sei hierbei insbesondere die Informiertheit. Die tiefen Stimm- und Wahlbeteiligungen wurden als besorgniserregend eingestuft.
Vor und nach dem Dialogtag haben wir den Teilnehmer:innen in einer Online-Umfrage dieselben Fragen zu verschiedenen Wirtschaftsthemen gestellt. Die Resultate vor und nach den Diskussionen unterscheiden sich merklich, was auf eine Wirkung durch Information und Debatte auf die Meinungsbildung hinweist.